Wenn Wettbewerber sich zusammentun - Coopetition in der Baubranche

Coopetition: Wettbewerber verbünden sich und machen gemeinsame Sache

 

Nein, das ist kein Schreibfehler in der Überschrift, hier sollte nicht Kooperation stehen. Es geht explizit um Coopetition: Wettbewerber verbünden sich und machen gemeinsame Sache.

Dabei entsteht keine Fusion, sondern man lässt gemeinsame Projekte entstehen, das ist der klassische Einsatzbereich. Die Wortschöpfung aus Zusammenarbeit (cooperation) und Wettbewerb (competition) geht auf das gleichnamige Buch der beiden Ökonomen Barry Nalebuff und Adam Brandenburger bereits aus dem Jahr 1996 zurück, so das Handelsblatt.

Aktuell bekommt dieses Konzept aber eine ganz neue Dynamik aufgrund zahlreicher aktueller Beispiele. Autobauer VW kooperiert mit Ford und dem Technologie-Entwickler für autonome Fahrzeuge Waymo, ein aus dem Google-Imperium entstandenes Unternehmen. Mercedes und BMW tun sich für ChargeNow, ParkNow, FreeNow, DriveNow und jetzt ShareNow zusammen. Und Audi, BMW und Daimler setzten als Coopetition-Partner auf den Kartendienst Here.

Der Grund für die vermehrten Kooperationen: Unternehmen müssen aufgrund der Digitalisierung schneller reagieren, Produktionszyklen und die Halbwertszeit von Geschäftsmodellen werden kürzer. Diese Herausforderung kann nur durch die Schaffung unternehmens- und branchenübergreifender Netzwerke und Allianzen gemeistert werden. In gemeinsamen Projekten bündelt man seine Kräfte und kann so von den wechselseitigen Erfahrungen lernen. Wichtig: Vertrauen ist die unbedingte Basis für erfolgreiche Coopetition, das hat das Handelsblatt ebenfalls richtig erkannt.

Eine Herausforderung hierzulande ist indes, dass längst noch nicht alle Branchen den Wert dieser neuen Form der Zusammenarbeit erkannt haben. Auch und vor allem nicht die Baubranche – und das ist fatal. Denn beispielsweise die Berater von Roland Berger sehen in der Vernetzung bislang voneinander getrennter Aktivitäten einen zentralen Hebel in der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

 

Das hat die Baubranche bisher nicht ausreichend erkannt. Wir haben für Vernetzt Digital in einer Studie abgefragt, ob sich die Unternehmen der Baubranche Coopetition vorstellen können. Gerade einmal knapp die Hälfte meint, das ist vorstellbar. Ein Viertel der befragten Unternehmen lehnte das kategorisch ab, 12 Prozent sind noch unentschieden. Lediglich 15 Prozent der Unternehmen haben bereits eine Kooperation mit Wettbewerbern angestoßen. Und das, trotz einer besonderen Drucksituation.

Wir meinen aber, dass sich das ändern muss und haben deshalb Vernetzt Digital ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Befürworter beflügelt und die Skeptiker der Coopetition überzeugt.

Dazu arbeiten wir momentan an weiteren Branchenerhebungen und Studien und haben beispielsweise auch einen wissenschaftlichen Beirat gegründet. Damit wollen wir ebenso die angesprochene Basis schaffen: Vertrauen zwischen den Akteuren.

 

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